Ich oute mich an dieser Stelle als Papierverbraucher: ich drucke Handouts und Arbeitsmaterialien gerne aus, um Ihnen dann mit Stiften und Textmarkern eine individuelle Note zu verpassen. Dabei ärgere ich mich regelmäßig über kleine Versäumnisse der Materialersteller, die mich unnötig Zeit kosten. Meine Lieblingszeitfresser und Verbesserungsmöglichkeiten liste ich daher hier auf:

1. Seitenzahlen in Handouts und Präsentationen einfügen

Jeder Student kennt das: Eine Kollision mit einer Kommilitonin, die das frisch gedruckte Dokument im kompletten Raum verteilt, das Drucken mehrerer Dokumente hintereinander oder ein Papierstau im Drucker. Schon wird die Neuorganisation der Dokumente zu einer mühsamen Vergleichsarbeit mit den Originalen auf dem Bildschirm. Oder soll ich sie einfach alle neu ausdrucken? Dabei lassen sich Seitenzahlen bei der Erstellung mit Word oder LibreOffice problemlos innerhalb von Sekunden automatisch in die Kopf- oder Fußzeile einfügen. Ein wenig mehr Aufwand, der anderen so viel Zeit sparen kann!

2. Titel des Dokumentes in Kopf- oder Fußzeile

Ist das jetzt Seite 2 der Grammatik I oder Grammatik II und gehört diese Folie zu Vorlesung 13 oder 15? Papier lässt sich wunderbar nebeneinander legen um einzelne Inhalte zu vergleichen. Aber wehe wenn im Eifer des Gefechts verloren geht, wo die jeweiligen Unterlagen ursprünglich herkommen. Einfache Hilfe: den Titel des Dokumentes in Kopf- oder Fußzeile mit aufnehmen. Bei der Erstellung der Dokumente mit Word oder LibreOffice ebenfalls problemlos innerhalb von Sekunden möglich.

3. Titel des Kurses und Autor in Dokument mit aufnehmen

Aus welcher Vorlesung hast du/habe ich denn die tollen Materialien und wer hat die damals gehalten? Schade nur, wenn man auf diese Frage keine Antwort geben kann!

4. Aktuelles Datum verwenden

Einige Dozenten verzichten auf Datumsangaben auf ihren Folien, da diese mit leichten Modifikationen theoretisch im nächsten Semester noch einmal verwendet werden können. Trotzdem hilft das Datum der Vorlesung oder eine Angabe des konkreten Semesters zu unterscheiden, ob es sich bei dem entsprechenden Foliensatz oder Übungsblatt um eine Vorschau des Inhaltes aus dem letzten Jahr, oder schon um überarbeitete Dokumente aus dem aktuellen Semester handelt.

5. Druckversion anbieten

Es ist schön, wenn Vorlesungen mit Präsentationen in einem ansprechenden Design gehalten werden. Ein echtes Highlight ist es jedoch, wenn den Studenten nicht nur die Präsentation als PDF, sondern auch noch die Druckversion zur Verfügung gestellt wird. Bei dieser werden normalerweise für den Druck unnötige Bildhintergründe und Designelemente entfernt was große Mengen an Tinte bzw. Toner spart. Dabei ist auch darauf zu achten, dass bei Animationen üblicherweise die letzte Animation angezeigt wird. Fliegt also zum Beispiel als letztes Element ein großes Bild auf die Folie, so verdeckt das im PDF später den eigentlich viel wichtigeren Text!

6. Reduzierung der Dateigröße

Sind die Dateien der Foliensätze mehrere Megabyte groß, so könnte das an den verwendeten Grafiken liegen. MS Office und LibreOffice bieten teilweise als extra Option und teilweise beim Export als PDF an, die verwendeten Bilder auf Druckqualität (300dpi) zu verkleinern. Dies kann die erzeugten Dateien um mehrere Megabyte verkleinern und spart somit Speicherplatz nicht nur auf den Servern des Institutes, sondern auch bei allen Studenten.

7. Auf später nicht weiter gegebene Folien hinweisen

Auch Dozenten verwenden hin und wieder Abbildungen aus Fachbüchern oder Publikationen, die anschließend aus rechtlichen Gründen nicht an die Studenten weiter gegeben werden können. Ein Hinweis auf solche Folien während der Vorlesung ist da eine große Hilfe. Noch besser wäre es allerdings, anstatt die Folien lediglich zu entfernen, stattdessen einen Hinweis auf die verwendete Quelle anzubringen. So sind Studenten in der Lage sich die entsprechenden Informationen selbst zu organisieren.

8. Formalia schriftlich weitergeben

Wie viele Seiten soll die Hausarbeit umfassen? Welche Schriftart und Größe soll verwendet werden? Wann ist der Abgabetermin? Wie lautet die genaue Themenstellung? Wann ist die Prüfung? Wie viel Prozent der Punkte müssen in den Übungsblättern erreicht werden um zur Prüfung zugelassen zu werden?

Leider tendieren manche Dozenten zu der Meinung, dass derartige Informationen nichts in ihren Folien zu suchen haben. Sie schreiben diese kurzerhand an die Tafel, oder legen für ein paar Sekunden eine Folie mit den Informationen auf dem Overheadprojektor auf. Dabei lassen sich gerade diese Formalia besonders schlecht merken und sind dennoch essentiell um einen Kurs zu bestehen. Also bitte wenigstens ein Hinweis auf die Webseite auf der diese Formalia noch einmal zusammengefasst verfügbar sind, oder eine extra Folie mit diesen Informationen. Das erspart auch einige unnötige Nachfragen gegen Ende des jeweiligen Kurses!

9. Quellenangaben auch zu einzelnen Kapiteln oder Abbildungen

Quellangaben wie: „Quelle: Google und Wikipedia“ sind in Vorlesungen an der Universität eine seltene Ausnahme (gab es bei mir erst zweimal). Meistens gibt es zu Beginn der jeweiligen Vorlesung eine Liste von Literaturempfehlungen, auf die die Vorlesung aufbaut, oder die die Vorlesung ergänzen. Trotzdem ist es immer besonders hilfreich, wenn Dozenten auch für einzelne Vorlesungsteile angeben, auf welche Bücher und Kapitel sie aufbauen. So spart man sich als Student manchmal das Durcharbeiten mehrerer hundert Seiten mit Detailinformationen in Lehrbuch A, die in Lehrbuch B für die Vorlesung ausreichend auf wenigen Seiten zusammengefasst sind. Auch Hinweise auf die Quelle von einzelnen Abbildungen sind sehr hilfreich, da so auch die zur Abbildung zugehörigen Texte nachgearbeitet werden können, sollte die Erklärung in der Vorlesung nicht ausreichend gewesen, vergessen oder nicht verstanden worden sein.

10. Markieren von Exkursen und nicht-klausurrelevanten Bereichen

War das jetzt in allen Details essentiell für die Prüfung, oder einfach ein interessanter Exkurs z.B. in die Praxis? Natürlich sinkt auch bei mir die Konzentration wenn ein nicht klausurrelevanter Bereich als solcher gekennzeichnet ist. Aber gleichzeitig nehme ich das Thema viel entspannter auf. Zwar erinnere ich mich anschließend nicht mehr an Details der exakten Herleitung, aber meistens noch sehr gut an die grobe Übersicht und den Sinn des jeweiligen Exkurses.

Fazit

Die meisten Versäumnisse dieser Art werden nicht aus Bosheit oder Faulheit gemacht, sondern oft auch aus Unwissen. So wissen viele Leute nicht, wie einfach sich mit Word- oder LibreOffice Kopf- und Fußzeilen mit automatischen Platzhaltern für die aktuelle Seitenzahl erstellen lassen. Oder warum es hilfreich ist Name und Kurstitel mit in die Dokumente mit aufzunehmen. Vielleicht stolpert ja mal jemand, den dies betrifft über diesen Artikel und kann etwas mitnehmen. Und hoffentlich stolpere ich noch einmal darüber, wenn ich selbst mal wieder einen Vortrag mit Handouts oder Ähnliches gestalten darf.