Wie Digitalkameras unsere Bilder schön rechnen

Warum brauche ich eine Digitalkamera, wenn ich auch mit meinem Handy Bilder machen kann? Warum soll ich mir eine teure Digitalkamera kaufen, wenn es im Discounter schon welche für 50 Euro gibt? Da wirklich schöne Bilder nicht nur aus kräftigen Farben auf dem Kameradisplay bestehen, sondern auch später auf den Papierfotos scharf und detailgetreu sein sollen. Dafür müssen Kameras in mehreren Bereichen gut ausgestattet sein, die wir Ihnen in diesem Artikel präsentieren.

Objektiv entspricht Brille mit Fernglas

Ohne Objektiv ist eine Kamera geradezu blind. Dies trifft auf Handykameras, wie auch auf Kompakt- und Spiegelreflexkameras zu. Brillengläser und gute Ferngläser sind jedoch teuer und das trifft auch auf die Linsen in den Kameraobjektiven zu. Je besser das Objektiv, desto hochwertiger sind später die Bilder. Je besser das Objektiv, desto teurer ist aber auch die Kamera. Hier sparen Kamerahersteller bei billigen Produkten also gerne.

Bildsensor entspricht Auge/Leinwand

Der Bildsensor sitzt direkt hinter dem Objektiv und entspricht etwa dem menschlichen Auge. Zur Vereinfachung stellen Sie sich den Bildsensor als Leinwand vor, auf die das Bild gemalt wird. Je mehr Platz auf dieser Leinwand ist, desto bessere Bilder lassen sich malen. So lässt sich auf einer Streichholzschachtel gerade so ein menschlicher Kopf, auf einem DIN A4 Papier aber ohne Probleme ein kompletter Mensch mit allen Details deutlich abbilden.

Es kommt jedoch nicht nur auf die Größe der Leinwand an, sondern auch auf die Wahl des Stiftes. Auf einem Blatt DIN A4 Papier lassen sich mit einem dünnen feinen Bleistift Details viel deutlicher herausarbeiten, als mit einem dicken groben Filzstift. Ein Bildsensor mit vielen kleinen Bildpunkten kann Details also viel deutlicher abbilden, als einer mit großen Bildpunkten. Das Problem ist aber: je kleiner Handys, Laptops oder eben Bildpunkte auf Bildsensoren sein sollen, desto teurer sind sie in der Herstellung. Deshalb sparen Kamerahersteller auch gerne am Bildsensor.

Die Megapixel Lüge – Kamerahersteller werben mit immer größeren Megapixel Zahlen. Die Anzahl der Megapixel gibt an, wie viele Millionen Bildpunkte für ein Bild verwendet werden. Viele Megapixel bedeutet großer Bildsensor bedeutet gute Bilder, oder? Leider sind Kamerahersteller dazu übergegangen die Zahl der Megapixel künstlich zu vergrößern, indem sie zwar die Leinwand größer, aber auch gleichzeitig den Stift dicker und gröber machen. So werden die digitalen Bilder zwar größer, jedoch nicht schärfer und nicht detailgenauer. Dieser Trick wird auch beim digitalen Zoom verwendet. Daher besser nur den optischen Zoom verwenden!

Computerchip entspricht Gehirn

Der Computerchip in der Kamera wandelt die Aufnahme zu einem digitalen Bild um, welches er dann auf die Speicherkarte schreibt. Beim Umwandeln kann am Billigsten getrickst werden! Ein Programm zur Gesichtserkennung kann auf Millionen von Kameras kopiert werden, ein Objektiv oder Bildsensor kostet für jede Kamera extra. Das ist genauso, wie wenn Sie ein Programm nur einmal bezahlen und es dann auf jedem Computer installieren können. Bildschirme hingegen müssen für jeden Computer extra gekauft werden.

Aber warum Gesichtserkennung? Wenn wir einen Menschen sehen, achten wir zuerst sehr genau auf das Gesicht. Betrachten wir Bilder mit Menschen, so sollen die Gesichter darauf besonders deutlich zu sehen sein. Deshalb nutzt die Kamera Gesichtserkennung, um diese Bereiche besonders scharf zu stellen. Schon finden wir das Bild toll, ohne dass wir groß auf andere Details geachtet haben.

Farben sind bei digitalen Kameras auch so eine Sache: Wälder und Wiesen sollen grün sein, der Himmel blau und der Sonnenuntergang möglichst in Orange- und Rottönen leuchten. Also versucht der Computerchip in der Kamera zu bestimmen was gerade fotografiert wird, um das Bild für uns Menschen schön zu rechnen. Die Farben werden nach unseren Erwartungen geändert und verstärkt.

Dabei fällt uns dann schon nicht mehr auf, dass die Bilder überhaupt nicht scharf und detailgetreu sind, da wir uns von der farbenfrohen Gesamtstimmung des Bildes ablenken lassen. Die Bilder werden in der Kamera mit kräftigen Farben künstlich verschönert, um von der tatsächlichen Qualität abzulenken. Dies fällt erst dann auf, wenn ein Bild als Papierfoto entwickelt werden soll. Auf diese Weise lassen sich auch billige Kameras mit schlechten Objektiven und Bildsensoren verkaufen.

Der Mensch trifft Entscheidungen

Das menschliche Gehirn ist den Computerchips in der Kamera immer noch überlegen. Wollen Sie den Eiffelturm oder die Person direkt daneben scharf fotografieren? Wollen Sie das Grün des Baumes oder den farbigen Sonnenuntergang betonen? Das sind für uns Menschen ganz einfache Entscheidungen, die für die Computerchips in den Kameras aber sehr schwer nachzuvollziehen sind. Deshalb bieten eigentlich alle Digitalkameras neben dem Automatikmodus auch so genannte Motivprogramme an. Diese können Sie verwenden um der Kamera mitzuteilen, was Sie fotografieren wollen: eine unbewegte Landschaft (saftiges Grün, alles scharf), sich schnell bewegende Objekte (Kinder, Sportler, Tiere), Portraits von Personen (Gesicht scharf, Hintergrund unscharf) oder den Sonnenuntergang (leuchtende Farben, Übergänge verwaschen).

Es lohnt sich also das Handbuch oder die Hinweise zu den einzelnen Programmen durchzulesen. So können Sie die Kamera darin unterstützen passende Bilder zu machen. Dabei ist es natürlich wichtig, dass diese Einstellungen gut erklärt sind und schnell vorgenommen werden können. Das ist bei Billigkameras jedoch häufig nicht der Fall.


Lassen Sie sich also nicht von leuchtenden Bildern auf Kamera- oder Handydisplays beeindrucken. Mit einer guten Digitalkamera und dem richtigen Motivprogramm machen Sie Bilder, die nicht nur schön wirken, sondern auch wirklich schön sind. Und das darf dann auch einmal mehr als 100 Euro kosten.

Dieser Text entstand während des Kurses Wissenschaft verständlich und exakt kommunizieren im Wintersemester 2012/2013. Nach Aufgabenstellung sollte ein komplexes Thema einer fachfernen Zielgruppe auf zwei DIN A4 Seiten verständlich zusammengefasst werden.