Digitale Bilder können inzwischen nicht nur mit Digitalkameras, sondern auch mit Ferngläsern, Handys, Smartphones, MP3-Player, … erstellt werden. Das Erstellen von Massen von digitalen Bildern ist inzwischen kein Problem, jedoch fehlt es häufig an einem sinnvollen System zum Organisieren dieser Datenmengen. Im Folgenden erkläre ich verschiedene Informationen, die in einem Bild enthalten sind und welche Bedeutung sie bei der Organisation einer Bildersammlung haben.


Ich weise darauf hin, dass ich weder Taxonomist noch Archivar bin, sondern die folgenden Beschreibungen lediglich meiner Erfahrung beim Umgang mit Bildersammlungen im privaten wie beruflichem Umfeld dokumentiere.

Digitale Bilder sind mehr als nur Farbinformationen, sie beinhalten zusätzlich Metainformationen, die zur Organisation von Bildersammlungen genutzt werden können (siehe dazu auch Digitale Spuren Teil 3: Bilder und andere Dateien).

Beispielbild zum Einordnen in eine Bildersammlung

Ein Lieblingsbild aus dem Urlaub im April. Ich bin in entspannter Pose vor dem Bamberger Inselrathaus zu sehen.

Wie wird eine Bildersammlung effektiv organisiert? Betrachten wir zu Beginn ein „ganz normales“ Foto: das Bild rechts gehört zu meinen Lieblingsbildern aus dem Urlaub Anfang April in Bamberg und ich bin in entspannter Pose im vor dem Inselrathaus zu sehen. Diese Bildbeschreibung liefert alle Kriterien, nach der sich eine Bildersammlung organisieren lassen sollte:

  • Zeit
  • Ort
  • Kontext (Urlaub)
  • Motiv (Personen, Gebäude, …)
  • Bewertung

Diese Kriterien unterscheiden sich aus Sicht der Datenverarbeitung jedoch ziemlich, weshalb etwas Erfahrung dazu gehört eine Bildersammlung sinnvoll und effektiv zu organisieren.

Zeit

Das Aufnahmedatum mit der genauen Uhrzeit ist aus Datenverarbeitungssicht das Wichtigste Kriterium. Es wird automatisch von der Digitalkamera im Bild gespeichert. Ich meine damit nicht diese nervigen Zeitstempel auf dem Bild selbst, sondern das Metadatum im Bild, welche häufig über die Eigenschaften des Bildes angezeigt werden können. Da ein Fotograf im Normalfall zu einem Zeitpunkt nur ein Bild machen kann, oder bei mehreren Fotografen zwei Bilder zum gleichen Zeitpunkt (und am gleichen Ort) die gleiche Szene beschreiben, ist der Aufnahmezeitpunkt des Bildes schon ein sehr deutliches Identifizierungsmerkmal, dass sich auch nicht mehr ändert, also konstant bleibt. Das ist der Grund, weshalb Programme zur Bildverwaltung Bilder schon automatisch auf Basis dieses Zeitstempels in entsprechende Unterordner wie 2012/07/02/Bild005.jpg einsortieren.

Zusammenfassung: Der Zeitpunkt der Aufnahme wird automatisch in jedem Bild gespeichert, bleibt konstant und ist daher das wichtigste Kriterium bei der Organisation von Bildersammlungen.

Wichtig: Unbedingt darauf achten, dass Datum und Uhrzeit der Digitalkameras (oder anderer Aufnahmegeräte) immer richtig eingestellt sind. Dies trifft vor allem zu, wenn mehrere Kameras im Einsatz sind, oder die Bilder mit anderen zeitgebundenen Daten wie Geodaten abgeglichen werden sollen.

Ort

Neben dem Zeitpunkt der Aufnahme ist der Ort ein wichtiges Kriterium zur Einordnung von Bildern. Manche Kameras unterstützen direkt das Schreiben von so genannten Geoinformationen per GPS in die Bilder, andere Bilder können nachträglich am PC mit Ortsinformationen versehen werden, die z.B. parallel mit einem GPS-Logger oder einem GPS- fähigen Smartphone aufgenommen wurden (siehe dazu mein Artikel zu Bilder und Geotags). Hierfür ist es jedoch notwendig, dass die Zeitstempel der einzelnen Bilder mit den Zeitstempeln der einzelnen gespeicherten Ortskoordinaten übereinstimmen. Leider sind die GPS basierten Geoinformationen nicht immer ausreichend, da sie teilweise zu ungenau ausfallen, oder in tiefen Häuserschluchten und in Gebäuden kein Empfang herrscht.

Bilder der Kaiserburg in Nürnberg nach ihrem Aufnahmeort auf Karten angeordnet

An welchem Format soll sich die Ortsangabe orientieren: Geokoordinaten, Adressen, Ortsnamen oder Beschreibungen? Kartenmaterial: (c) OpenStreetMap Mitwirkende, CC-BY-SA.

Der Ort an dem ein Bild aufgenommen wird bleibt zwar prinzipiell konstant, jedoch können ungenaue Angaben zu inkonsistenten Daten führen. Die Angabe „Zuhause“, kann sich genauso ändern, wie eine Umbenennung einer Straße eine Adressangabe unsinnig macht, oder ein Umbau eine Zimmerbezeichnung wie „Wohnzimmer“ verändert.

Außerdem ist es einem Fotografen möglich am selben Ort Bilder zu unterschiedlichsten Zeiten zu machen, jedoch nicht zur gleichen Zeit verschiedene Orte zu fotografieren. Das spricht wieder für Zeit als primäres Kriterium zur Organisation von Bildersammlungen.

Zusammenfassung: Mit Zeit und Ort lässt sich ein Bild schon sehr präzise in eine Bildersammlung einordnen, es kommt jedoch auf den Zweck der Bildersammlung und die Ausstattung der Fotografen an, ob der Ort automatisch oder von Hand gespeichert wird und in welchem Format die Ortsangabe erfolgt.
Zu beachten: beim Abgleichen der Bilder mit Geodaten aus einem GPS-Log wird die Position gespeichert, von der aus das Foto aufgenommen wurde, nicht die Position der Objekte, welche auf dem Foto zu sehen sind!

Kontext

Für die Organisation der Bildersammlung ist der Kontext wie z.B. „Urlaub“, „Spaziergang“, „Geburtstagsfeier“ nicht so relevant, da es schwierig ist hierfür ein gut zu verarbeitendes, einheitliches Format einzuhalten, was nicht sehr „maschinenfreundlich“ ist. Da der Kontext jedoch auch konstant bleibt und unserem Gehirn hilft sich zu erinnern, ist eine Kombination aus Ort und Kontext wie „Urlaub Oberfranken“, „Spaziergang Reben“, … dem jeweiligen einzelnen Kriterium vorzuziehen, da diese Kombination sehr „menschenfreundlich“ ist.

Zusammenfassung: Der Kontext bleibt ähnlich wie der Ort konstant und hilft uns Menschen bei der Organisation einer Bildersammlung den Überblick zu bewahren.

Motiv

Es gibt inzwischen Software zur Gesichtserkennung und zur Erkennung von Sehenswürdigkeiten anderen Objekten…, gute Beispiele dafür sind Google Goggles, oder die Patentierung von Techniken zur Objekterkennung in Videos, ebenfalls durch Google.

Das obige Beispielbild mit Kommentaren versehen

Noch einmal das Beispielbild von weiter oben, nur mit Kommentaren versehen.

Aber ein Bild lässt sich sehr vielfältiger beschreiben, als es die aktuellen Algorithmen zu erkennen vermögen. Zu dem Beispielbild von oben fallen mir spontan folgende Stichwörter ein:

  • Benjamin
  • Entspannt
  • Urlaub
  • Bamberg
  • Fluss
  • Gebäude
  • Kurioses

Diese Daten sind aber sehr subjektiv und können sich auch ändern! Vielleicht führe ich später ein weiteres Stichwort „Städteurlaub“ ein, oder ordne das Stichwort „Fluss“ hierarchisch dem Stichwort „Gewässer“ unter, füge ein neues Stichwort „Rathäuser“ ein und ändere das später in „Rathaus“.

Zusammenfassung: Eine Motivbeschreibung ist sehr flexibel und benötigt zur Verwaltung eine Struktur, die von dem Ordner und Akten/Dateien basierten System in unserem Kopf und auf dem Computer nicht unterstützt wird. Dazu schreibe ich aber später noch mehr.

Bewertung

Bilder können auf unterschiedlichste Art und Weise sowohl von Hand, als auch automatisch bewertet werden. Mit Sternen oder Noten können Bilder nach persönlichem Gefallen bewertet werden, oder mit Markierungen angezeigt, dass sie für die Veröffentlichung im Internet geeignet sind, entwickelt werden sollen, zu den persönlichen Favoriten gehören, ein bestimmter Farbton dominiert, oder das Bild zu einem gewissen Genre wie Schwarz-weiß-, Makro-, oder Panorama-Fotografie gehört.

Zusammenfassung: Bewertung und Motivbeschreibung gehen in einer Grauzone ineinander über und haben auch die gleichen Probleme: sie erfordern eine flexible Struktur um diese Informationen zu Verwalten.

In diesem Teil wurden fünf Kriterien – Zeit, Ort, Kontext, Motiv und Bewertung – betrachtet und ihre Eigenschaften analysiert. Im nächsten Artikel wird dann auf die konkrete Anwendung dieser Kriterien zur Umsetzung einer organisierten Bildersammlung eingegangen.