Die Bücher aus dem Pragmatic Bookshelf sind mir zum ersten Mal beim Erlernen der funktionalen Programmiersprache Clojure begegnet. Der Schreibstil in Programming Clojure von Stuart Halloway war mir irgendwie so vertraut angenehm, als ob quasi in meiner Sprache geschrieben worden wäre. Auf Empfehlungen hin habe ich mir schon vor circa drei Jahren Pragmatic Thinking and Learning ins Buchregal gestellt, es dann jedoch nie komplett durchgelesen. Es ging mir in etwa wie mit Getting Things Done: wenn ich es brauchen konnte, war keine Zeit dafür, und hatte ich tatsächlich Zeit, dann war da keine Kapazität um mit den Inhalten etwas anzufangen. Im Zuge des Pendelns zur Uni konnte ich jedoch darauf reagieren und dieses wunderbare Buch tatsächlich durcharbeiten.

Im Vergleich zu Büchern mit ähnlichen Themen, aber Autoren aus dem biologischen, psychologischen und medizinischen Bereichen, wird in Pragmatic Thinking and Learning nur rudimentär auf die Funktion des Gehirns eingegangen. Es wird eher mit Ideen, Anleitungen und technischen Modellen gearbeitet. Das passt jedoch gut zur pragmatischen Denkweise von Informatikern und mit dem umfangreichen Quellverzeichnis des Buches lassen sich einzelne Bereiche tiefer recherchieren.

Worum geht es nun in dem Buch?

Das Informatikerdasein (speziell das eines Softwareentwicklers) besteht aus einer Vielzahl unterschiedlichster, sich teilweise widersprechender Anforderungen. Andy Hunt behandelt in Pragmatic Thinking and Learning die Frage, was ein Experte in diesem Bereich ausmacht und wie der engagierte Leser sich selbst

in diese Richtung weiterentwickeln kann. Hierbei zeigt er Probleme, Systeme und Verhaltenslösungen für diesen Weg auf.

Neben dem wissenschaftlichen, wie auch auf Erfahrung basierendem Grundkonzept, gibt es in den einzelnen Kapiteln häufig amüsierende, oder überraschende Anekdoten und Anmerkungen. Andy Hunt verwendet zwar einigen Analogien und Modellen aus dem Bereich der Informatik, einige grundlegenden Konzepte sind aber z.B. aus einer Studie für Krankenschwestern übertragen worden. Ich würde Pragmatic Thinking and Learning daher nicht als reine Pflichtlektüre für Informatiker bezeichnen, sondern auch als Bereicherung für Leser aus anderen Bereichen.

Denn Andy Hunt geht keineswegs auf die Details der Softwareentwicklung ein. Wie der Untertitel Refactor Your Wetware (und auch das Cover) impliziert, wird in Pragmatic Thinking and Learning auf das Hauptarbeitswerkzeug von Entwicklern (und auch vieler anderer Berufsgruppen) eingegangen: das Gehirn. Dies geschieht, jedoch nicht in Form einer funktionalen oder technischen Beschreibung, sondern in Form von Methoden, Techniken und Tipps um das Arbeiten damit attraktiver und effektiver zu gestalten. Außerdem wird auch etwas auf Gruppendynamik eingegangen, die Gestaltung von Arbeitsverhalten – wobei auch Getting Things Done seinen Platz hat – und die Verwendung einiger nützlicher Werkzeuge wie z.B. Personal Wikis, womit auch die Urfassung dieses Textes entstanden ist.

Zusammengefasst ist Pragmatic Thinking and Learning ein interessantes Buch mit interessanten Themen, mit denen sich jeder einmal beschäftigen könnte. Im Gegensatz zu Getting Things Done verspricht Pragmatic Thinking and Learning nicht schneller, besser oder produktiver zu machen. Das Buch zeigt weitere Möglichkeiten der alltäglichen Problembewältigung auf und wer es liest, lernt sie vielleicht für sich zu nutzen.

An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich mir das vorgestellte Buch selbst gekauft oder aus einer Bibliothek ausgeliehen habe. Es handelt sich also nicht um ein zur Verfügung gestelltes Rezensionsexemplar und ich wurde für diese Rezension auch nicht bezahlt.

Das Buchcover wird auf http://pragprog.com/Covers zur Verfügung gestellt.